Über die Kunst, sich richtig zu verzetteln

„Konzentrier dich! Hör endlich auf, dich ständig zu verzetteln,“ ruf ich meinem Sohn hinterher, wenn sein Kopf mal wieder überschäumt vor Ideen.

Die Kunst sich richtig zu verzetteln Ideen GlühbirneVerzettelungen sind in unserer Gesellschaft nicht gewünscht. Wer planlos ist und sich mit unwichtigen Dingen, mit Nebensächlichkeiten beschäftigt und dadurch nichts richtig auf die Reihe bekommt, kann schließlich nicht erfolgreich sein.

Die Fokussierung und absolute Konzentration auf die Ziele gelten als „Wunderwaffe“. Da bleibt rechts und links keinen Platz, für eine Verzettelung. Und in gewisser Weise ist das auch gut so!

Wenn ich aber an meine Kinder denke, die sich ständig verzetteln, die auf die verrücktesten Ideen kommen und dadurch unendlich viel lernen, stelle ich fest, dass die Verzettelung nicht nur schlecht sein kann. Vielleicht kommt es einfach nur auf die richtige Dosierung an?

 

Konzentration als Voraussetzung, um sich richtig verzetteln zu können

Ich bin ein großer Freund von Zielen und klaren Strukturen und kann jedem nur raten, seine Ziele auch mal zu visualisieren. Mit einer Collage oder indem man sie in klaren Worten zu Papier bringt. Und für dieses Papier gibt es eigentlich nur einen Platz: da wo es immer gut sichtbar für Sie ist. Oder natürlich auch für Ihr Team.

Fragen Sie sich jeden Tag, ob das, was Sie heute getan haben, Ihrer Zielerreichung dient. Arbeiten Sie konsequent auf Ihr Ziel hin. Lassen Sie Dinge bleiben, die keine Priorität haben und konzentrieren Sie sich aufs Wesentliche – an etwa 200 Tagen im Jahr.

 

Bauen Sie aber auch die Verzettelung bewusst in Ihren Alltag ein

Die Verzettelung ist ein wertvoller Impulsgeber für die Zukunft – für Ideen, die rechts oder links unsrer Zielgeraden lauern und für die wir in unserem durchstrukturierten und durchgetakteten Alltag gar keine Zeit haben. Viele große Ideen oder Erfindungen sind nebenbei entstanden!

Es lohnt sich also, zu einem richtigen „Verzettelungskünstler“ zu werden. Wer konzentriert arbeitet und auch in Zukunft erfolgreich sein will, kann und muss sich hin und wieder auch einen halben oder ganzen Verzettelungstag leisten! Einmal im Monat, einmal pro Quartal – je nach Unternehmensstruktur und Strategie. Verzetteln kann man sich alleine, noch effizienter verzettelt es sich aber in einer Gruppe. Oh je, das hört sich ja schon fast nach etwas Geplantem an…

 

Der Verzettelungs(halb)tag

An einem Verzettelungstag wird die Logik einfach beiseite geschoben und alle dürfen mal so richtig ihren Gedanken freien Lauf lassen. Da es hier aber darum geht, sich „richtig“ zu verzetteln, ist es durchaus sinnvoll ein Thema oder einen Gedanken in den Mittelpunkt der Verzettelung zu stellen. Hört sich einfach an? Mitnichten! Sich auf Knopfdruck zu verzetteln ist eine richtige Kunst. Helfen können hier verschiedene Kreativitätstechniken. Zum Beispiel: 

Brainstorming

Eine Gruppe von bis zu 8 Personen beschäftigt sich moderiert oder unmoderiert rund 30 Minuten oder kürzer mit einer bestimmten Fragestellung. Ziel ist es, in dieser Zeit so viele Gedanken wie möglich zusammenzutragen, Ideen zu kombinieren, frei zu assoziieren und in einem Protokoll festzuhalten. Kritische Äußerungen zu einzelnen Gedanken sind Tabu, um den Kreativitätsprozess nicht zu unterbrechen und um Detaildiskussionen zu unterbinden. Die gesammelten Gedanken werden von Experten oder nach einer Pause von den Teilnehmern des Brainstormings bewertet.

Brainwriting / 6-3-5

Das Brainwriting ist dem Brainstorming sehr ähnlich, wird jedoch in Schriftform durchgeführt. Dadurch spart man sich den Protokollanten. Ziel ist auch hier in kurzer Zeit so viele Ideen wie möglich zu sammeln. Ein besonders populäres Verfahren ist die Methode 6-3-5, an der 6 Personen teilnehmen. Jede dieser Personen notiert drei Ideen auf einem Blatt. Nach etwa 5 Minuten werden die Blätter jeweils im Uhrzeigersinn weitergereicht und der Nebensitzer soll die Ideen weiterentwickeln bzw. ergänzen. Dies wird insgesamt 5 Mal gemacht, bis jedes Blatt wieder beim Ideengeber angekommen ist. Der Name 6-3-5 ist entstanden, weil 6 Personen 3 Ideen kreieren und jedes Blatt 5 Mal weitergereicht wird.

Zufallsprinzip

Bei der Zufallstechnik werden nach dem Zufallsprinzip Reizwörter oder -Bilder ausgewählt, die Anstöße für neue Ideen geben können. Diese Zufallstechniken können z. B. auch mit dem Brainstorming kombiniert werden. Die Auswahl der Reizwörter oder -Bilder kann z. B. durch zufälliges antippen in einem Buch, einer Zeitschrift oder einem Katalog erfolgen oder durch Ziehen einer x-beliebigen Karte aus einem größeren Fundus.

(Diese Übersicht stammt aus meinem Buch: Marketing – Lehr- und Übungsbuch für die Weiterbildung.)

Vor allem mit der Methode 6-3-5 habe ich immer wieder hervorragende Erfahrungen gemacht! Natürlich gibt es auch noch andere gute Kreativitätstechniken. Denken wir nur an Bionik oder den Morphologischen Kasten oder… huch, jetzt bin ich doch glatt dabei, mich zu verzetteln…dabei ist heute gar kein Verzettelungstag…. Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen bei der „richtigen Verzettelung“, ganz ohne schlechtes Gewissen!

Linktipp: Die Wahrheit über Kreativität – was Kreativität fördert und behindert
http://t3n.de/news/wahrheit-kreativitaet-ideen-charts-570012/

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Dieser Beitrag wurde geschrieben von deprofundis. Wer ihn teilt oder weitergibt (mündlich oder schriftlich), wird mit einem Lächeln belohnt 🙂

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